Feinstaubbelastung in Magdeburg

Mit dem Abgasskandal rückt auch das Thema „Feinstaub“ wieder mehr in den Fokus. Doch was genau versteht man unter Feinstaub? Hier sei auf die Wikipediaseite dazu verwiesen.

Nur ganz kurz: im Wesentlichen interessieren die Staubteilchen, welche sich in der Luft befinden und klein genug sind, um nicht oder nur teilweise von den Schleimhäuten im Nasenraum/Rachenraum bzw. den Härchen im Nasenbereich zurückgehalten werden und sich somit in unseren Lungen ablagern. Man klassifiziert die Teilchen dabei in die Gruppen PM10 und PM2.5. Mit PM10 meint man alle Partikel, die kleiner als 10µm sind und mit PM2.5 meint man alle Partikel, die kleiner als 2,5µm sind. Je kleiner die Staubteilchen sind, desto einfacher gelangen diese in unsere Lungen. Und das ist nicht sonderlich gesund.

Uns interessiert es, wie es sich mit der Luftqualität in Magdeburg verhält. Wie hoch ist die Feinstaubbelastung? Werden Grenzwerte überschritten? Und wenn ja, wie oft und wie stark? Leider kommt man als Ottonormalbürger*in nur schlecht bis gar nicht an offizielle Daten heran. Und wenn, dann sind diese meist nicht die aktuellsten.

Zum Glück gibt es aber Initiativen wie das OK Lab Stuttgart, welche das Projekt luftdaten.info ins Leben gerufen haben. Dort erfährt man, wie man sich seinen eigenen Feinstaubsensor baut und wie man die gemessenen Werte in eine deutschlandweite Feinstaub-Karte integriert.

Während der Stuttgarter Raum schon sehr gut mit vielen selbst gebauten Feinstaubsensoren ausgestattet ist, sieht es in und um Magdeburg leider noch sehr mau aus.

Wir würden das gerne ändern und haben uns daher erst einmal fünf dieser Feinstaub-Sensoren besorgt, welche wir in den kommenden Wochen in Magdeburg verteilt aufhängen wollen. Die ersten zwei hängen schon seit ein paar Tagen nebeneinander auf einem Balkon in ca. 6m Höhe über einer wenig befahrenen Seitenstraße und so sieht das im Moment (ohne Gehäuse) aus:

Bisher haben die Sensoren folgende Daten aufgezeichnet:

In der Grafik zu sehen, sind die zeitlichen Verläufe der Feinstaubkonzentrationen von PM10 (in blau) und PM2.5 (in rot) in µg/m³. Die WHO empfiehlt angesichts der vom Feinstaub ausgehenden Gesundheitsgefahren in ihren WHO-Luftgüte-Richtlinien folgende Grenzwerte für Feinstaub:

  • PM10
    • Jahresmittelwert: 20 µg/m³
    • Tagesmittelwert: 50 µg/m³
  • PM2.5
    • Jahresmittelwert: 10 µg/m³
    • Tagesmittelwert: 25 µg/m³

Die rechtswirksamen Grenzwerte der EU liegen um einiges darüber.

Schauen wir uns also mal die Tagesmittelwerte unserer Sensoren an:

Dann stellen wir fest, dass wir in 6m Höhe über einer kaum befahrenen Seitenstraße unterhalb der WHO-Grenzwerte liegen und damit eigentlich ganz gute Luft haben.

Wie sieht es aber in der Nähe von viel befahrenen Straßen in Magdeburg aus? Oder in anderen Stadtteilen? Oder nicht in 6m Höhe, sondern in Kopfhöhe von Erwachsenen, Kindern und Haustieren?

Wir würden uns daher sehr freuen, wenn sich mehr Bürger*innen aus Magdeburg ihren eigenen Feinstaubsensor aufhängen und wir gemeinsam die Feinstaubkarte für Magdeburg mit mehr Daten gefüllt bekommen. Also: macht bitte mit! Und wer sich etwas vor dem eigenen Zusammenbau und der Konfiguration des Sensors scheut, der kann sehr gerne bei uns vorbeikommen und wir machen das gemeinsam. Schreibt uns dazu einfach eine E-Mail an kontakt@gruenstreifen-ev.de. Wir besorgen auch gerne die nötigen Teile.

Nachtrag vom 01.05.:

Via Twitter kam die Nachfrage rein, ob die Peaks in der Nacht auftreten? Und wenn ja: warum?

In der Tat sieht es auf der Grafik so aus, als ob die Höchstwerte vor allem in der Nacht und in den frühen Morgenstunden auftreten. Im obigen Post habe ich jedoch heimlich unterstellt, dass der Großteil des Feinstaubes vom Autoverkehr verursacht wird. In dem Fall würde man also eher erwarten, dass tagsüber die Feinstaubbelastung größer ist, als in der Nacht, weil tagsüber vermutlich mehr KFZ unterwegs sind.

Die Annahme, dass der Verkehr einen großen Anteil an der Feinstaubbelastung hat, ist jedenfalls nicht so abwegig. Laut Untersuchungen für Magdeburg (für das Jahr 2003) werden über 80% des Feinstaubes durch den Verkehr verursacht.

Vielleicht hilft es also, wenn wir uns die Feinstaubdaten noch einmal tagesweise mit Uhrzeit anschauen. Zur Ergänzung noch: bei der obigen Grafik war die Uhrzeit auch noch in UTC. Für Deutschland und Sommerzeit muss man noch 2h dazuaddieren. Also, einzelne Tage mit aktualisierter Uhrzeit sehen dann so aus:

Die rote Linie ist übrigens der Tagesmittelwert.

Diese Übersicht wirkt jetzt nicht mehr so drastisch. Dennoch sind insbesondere am 21.04. und 25.04. recht hohe Feinstaubbelastungen in den frühen Morgenstunden zu sehen, und zu der Zeit war sicherlich noch nicht soviel Verkehr auf den Straßen unterwegs.

Wer eine Idee/Theorie/Interpretation hat, kann diese gerne in den Kommentaren hinterlassen. Ich persönlich würde jetzt erstmal weitere Daten abwarten. Im besten Fall auch von anderen Standorten. Also, macht mit und baut euch euren eigenen Feinstaubsensor.

andre